Stephanie Lühmann 

Reservierungsmitarbeiterin im Euro Disney Vancances SAS (Paris)

Tourismusabschluss 2003


Dort, wo andere Urlaub machen ...

Im März 2003 schloss ich meine Ausbildung zur International Travel and Tourism Assistant (heute: International Travel and Tourism Manager) ab. Mit großem Interesse verfolgte ich zu Studienzeiten die Entwicklung von Thomas Cook. Mich reizte es in einem großen international agierenden Unternehmen zu arbeiten. Da das Management großen Wert auf Zielgebietskenntnisse legte, entschloss ich mich zu einer Bewerbung als Reiseleiterin. Das Accessment Center verlief sehr gut. Allerdings bekam ich von Thomas Cook einen Arbeitsvertrag für das Jahr darauf, denn durch den Irakkrieg war ein Einstellungsstop verhängt worden.  
 
So hatte ich ein Jahr Zeit. Das Schöne, aber auch Knifflige am Tourismus ist die Vielfältigkeit. Ich hatte drei weitere Bewerbungen laufen. Gerne hätte ich das Praktikum in der Marketingabteilung eines amerikanischen Reiseveranstalters angenommen. Leider passte es zeitlich nicht. Auf Grund meiner Erfahrung durch die EWS hätten sie mich gerne für die ITB - Arbeit eingeteilt. Da das Studium im März endete, war dies zu spät. So hatte ich die Auswahl auf einem deutschen Kreuzfahrtschiff zu arbeiten oder bei Club Med als Rezeptzionistin.

Ich entschied mich gegen die Animation auf dem Schiff und für Club Med. Mir war es wichtig meine Sprachkenntnisse anwenden zu können. Nach der Sommersaison in Süditalien, reiste ich für ein paar Monate nach Costa Rica. Als Volontärin arbeitete ich in verschiedenen Nationalparks.

Wie abgesprochen begann ich im März 2004 als Reiseleiterin bei Thomas Cook. Nach einer 10tägigen Schulung auf Mallorca bekam jeder Mitarbeiter sein Zielgebiet zugeteilt. Also ab in den Flieger, dorthin, wo andere Urlaub machen.

Für mich ging es zunächst für acht Monate nach Tunesien. Den Winter verbrachte ich auf Gran Canaria. Anschließend ging meine Mission nach Bulgarien. Die Aufgaben einer Reiseleiterin sind: die Betreuung der Gäste in den Hotels und am Flughafen, Organisation und Durchführung von Informationsveranstaltungen (Begrüßungstreffen), Qualitätsüberwachung der Hotels und Restaurants, Reklamationsbearbeitung, Vermittlung von Ausflügen, Mietwagen, etc.

Sehr geholfen haben mir bei der Arbeit meine Sprachkenntnisse. Diese haben mir in vielen Hotels Vorteile eingebracht. Denn durch Übersetzungen von Verträgen oder Reklamationen für die Hoteldirektion, wurden z. B. Reklamationen meinerseits bevorzug behandelt, außerdem konnte ich meinen Gästen bei administrativen Aufgaben wie Mietwagenanleihe, Ausflugsplanung, im Krankheitsfall, usw. viel leichter helfen. Wichtiges Thema im Zielgebiet ist das Reiserecht. Durch die Ausbildung hatte ich ein fundiertes Grundwissen. Ausserdem waren mir Grundlagen im Bereich der Präsentationstechniken bekannt.

Nach drei Hauptsaisons befand ich mich im zweiten Winter im unbezahlten Urlaub (ca. sechs Monate). Das ist durchaus üblich, da der Personalbedarf im Winter geringer ist. Zusätzlich soll eine Überbelastung der in der Hauptsaison arbeitenden Mitarbeiter vermieden werden. Um den Kontakt zu Deutschland nicht zu verlieren, absolvierte ich ein 3-monatiges Praktikum in einem Reisebüro. Zum ersten Mal wurde mir bewusst, was ich im Fach Rechnungswesen gelernt hatte. Denn die Buchhaltung benötigte Verstärkung, so dass ich vormittags dort aushalf. Nachmittags ging es entweder in die Linienflugabteilung, in den Touristikbereich oder in den Firmendienst.

Da ich etwas müde vom Massentourismus geworden war, suchte ich nach neuen Möglichkeiten. Eigentlich nur spaßeshalber, ging ich zum Casting von Disneyland Resort Paris, dass vom Arbeitsamt in Bonn angeboten wurde. Mir war klar, dass ich nicht im Park arbeiten wollte, sondern beim Reiseveranstalter in der Reservierungsabteilung. Dementsprechend bewarb ich mich. Der Posten war nicht ausgeschrieben, aber zufällig war dort eine Stelle frei. Es war gerade als Thomas Cook mich nach Ägypten schicke wollte, als ich meine Kündigung einreichte.

Im März 2006 fing ich bei Euro Disney Vancances SAS als Reservierungsmitarbeiterin im Call Center in der Nähe von Paris an. Das Märchenschloss von Disneyland Park sehe ich jeden Tag auf meinem Weg zur Arbeit. Denn unser Büro liegt direkt hinter den beiden Freizeitparks ( Disneyland Park und Walt Disney Studios ). Die Aufgabe der Reservierungsmitarbeiter ist es, den Aufenthalt für Gäste aus aller Welt im Disneyland Resort zu buchen. Die Reisen beinhalten Unterkunft in den Disney Hotels, Eintrittskarten für die Parks, eventuell Transport, sowie Zusatzleistungen, wie z. B. Shows, Ausflüge, etc.
Change Management ist zur Zeit in unseren Büros großgeschrieben. Die ersten Veränderungen fingen kurz nach meiner Ankunft an. 9 Monate nach meiner Einstellung wurde unsere Transportabteilung in London geschlossen und in Paris neueingerichtet. Dank meiner Ausbildung (vor allem auf das IATA – Diplom und meinen CRS-Kenntnisse wurde Wert gelegt) bekam ich die Möglichkeit bei der Einrichtung der neuen Abteilung dabei zu sein. Heute läuft Sie erfolgreich und wird zur Zeit anderen Abteilungen angegliedert.

Disney arbeitet mit einem eigenen Reservierungssystem. Buchen die Reservierungsmitarbeiter ein Transportmittel im hausinternen System, sind diese dann allerdings noch nicht bei den Flug- und Eisenbahngesellschaften oder Fähranbietern gebucht. Im Hintergrund ist unsere Abteilung dafür zuständig, dies im Reservierungssystem Sabre oder direkt bei den entsprechenden Anbietern zu buchen. Wir sind ein kleines internationales Team von 10 Personen und fungieren wie ein kleines IATA Reisebüro. Wir nehmen die Reservierungen vor, stellen Flug- und Zugtickets aus, versenden die Reiseunterlagen und nehmen Nachbearbeitungen vor.

Wir arbeiten nicht nur im engen Kontakt mit den Reservierungsmitarbeitern im Call Center in Paris, sondern auch mit unseren Kollegen im Call Center in Orlando. Auch dort werden Buchungen für Disneyland Resort Paris vorgenommen. In naher Zukunft werden wir weitere Aufgaben hinzubekommen. So bietet sich mir ein sehr guter Einblick hinter die Kulissen der Nummer 1 der touristischen Destinationen Europas.

Durch die Ausbildung an der EWS habe ich ein fundiertes Wissen in der Tourismuswirtschaft erhalten, das in den verschiedensten Bereichen von großem Nutzen für mich war und nach wie vor ist. Sehr hilfreich waren die Sprachkenntnisse, das Reiserecht und die IATA - und CRS- Kenntnisse. EDV-Kenntnisse hatte ich ehrlich gesagt eher als selbstverständlich hingenommen und hatte mir gewünscht mehr in dem Bereich zu erlernen. Aber auch hier habe ich so manch einen Vorsprung gegenüber meinen Kollegen. Erstaunlicherweise gibt es immer noch viele die nicht mit Word, Excel und Power Point vertraut sind. Besonders gut gefallen haben mir die praxisnahen Projekte und Ausflüge, wie beispielsweise die Organisation des Messestandes auf der ITB oder der Besuch des Lufthansatrainingscenters. Ausserdem gefällt mir an der EWS, dass sie sich weiter entwickelt und versucht die Ausbildungen stetig zu verbessern.

Trotz einer sehr guten Grundausbildung, erschien es mir wichtig, mich weiter zu bilden. Daher habe ich mich entschlossen die Weiterbildung zur Tourismusfachwirtin (IHK) zu absolvieren. Im März 2009 werde ich voraussichtlich das 1 ½ jährige Fernstudium abschließen.